Dienstag, 20. September 2016

[Babyschnack] Unser Start in die Beikost


Am Anfang war die Milch.
Irgendwann, meist nach 4-6 Monaten, kommt der von vielen Eltern lang herbeigesehnte Beikoststart.
Auch bei uns war das so. Das Käuzchen zeigte schon sehr früh Interesse für unser Essen, fing an zu schmatzen, wenn er uns essen sah, streckte die Hand aus und hatte immer weniger Lust, mit einer Milchflasche abgespeist zu werden.
Pünktlich mit dem vollendeten 4. Monat gab es also den ersten Möhrenbrei. Selbst gekocht. Das fand er ganz gut und schmatzte einige Löffel in sich hinein.
Leider ließ die Begeisterung schon nach wenigen Tagen nach, sodass ich eine einwöchige Pause einlegte.


Weiter ging es dann, ich probierte es mit Pastinake, Kohlrabi und Fenchel. Der Effekt war der selbe: nach maximal 30g wollte das Kind nicht mehr - egal, ob das Zeug in mühevoller Handarbeit selbst gekocht wurde oder aus einem gekauften Gläschen stammte. Wie ich die Steigerung zu knapp 200g schaffen sollte, die ich in allen Ratgebern las und mir im Beikostplan meiner Hebamme im Nacken saß, war mir schleierhaft.



Führst du halt den Abendbrei ein, dachte ich, das Süße mag er bestimmt. Und wenn er ordentlich isst, schläft er vielleicht auch endlich besser. Denkste! Alle Versuche, den Milch-Getreide-Brei, mit und ohne leckeres Obst, in das Kind hinein zu bekommen, schlugen kläglich fehl. Nach maximal 2 Löffeln war Schluss.
Auf festes Essen schien das Kind unterdessen mehr zu stehen - Brot, Banane am Stück oder gelöffelte Avocado ging erstaunlich gut, Machste halt BLW, dachte ich, wenn das Kind keinen Brei mag, gibt's eben Stücke. Nur leider wurde da auch mehr gematscht als gegessen (darf das Kind gern, aber im Bäuchlein sollte trotzdem was landen). Außerdem schien das Kind das Konzept von BLW nicht ganz erfasst zu haben - das faule Kind sperrte (und sperrt noch heute!) am liebsten den Schnabel auf und bekommt das Essen hinein gesteckt. Selbst greifen und abbeißen? Viel zu anstrengend!




Im 7. Monat, nachdem wir immer noch bei etwa 50g Brei am Tag waren und maximal noch mal so viel "festes" Essen, entdeckte ich durch einen Zufall, dass der Kleine anscheinend auch abends gern den Mittagsbrei verputzen möchte. Plötzlich aß das Kind mehr als ein paar Löffel. Juchei! Der Bann schien gebrochen und ich versuchte mich an der Einführung des Nachmittagsbreis (Getreide-Obst). Obst am Stück wurde mittlerweile gar nicht mehr gegessen, und auch für den Getreidepansch erntete ich nur ungläubige Blicke. Man mochte nicht einmal probieren und nach einer Woche gab ich die Versuche auf, das Zeug ins Kind zu kriegen.

Nach meinen anfänglichen Bemühungen, mich an die "Empfehlungen" zum Beikoststart zu halten, habe ich irgendwann alles über Bord geworfen und einfach gemacht, was ich für richtig hielt. Jedes Kind is(s)t anders, da helfen Pläne manchmal wenig.

Das Käuzchen ist nun 10 Monate alt, isst maximal 1/3 Gläschen (Fleisch-)Gemüse-Nudelbrei pro Mahlzeit (Mittags und Abends), zum Frühstück kaut er am liebsten am trockenen Brötchen (essen kann man das bei den verschluckten Mengen nicht nennen), manchmal gehen auch Butter oder Leberwurst drauf.
Obst isst er mittlerweile maximal einmal pro Woche ein Häppchen, Getreidebrei bekommt er gar nicht mehr, dafür darf er mitessen, wenn ich koche und es einigermaßen babytauglich ist. Pürieren muss ich nichts mehr, denn alles muss möglichst grobstückig sein, um gegessen zu werden.

Gut findet er z.B. alles, was Tomaten enthält. Meine mediterrane Gemüsepfanne (Zucchini, Auberginen, Paprika und Tomaten in Öl angebraten, mit Kräutern der Provence gewürzt und mit Hirse oder Bulgur gereicht) kommt relativ gut an und ist mal was anderes als das Gläschengedöns, das fast immer Möhre enthält. Auch mein (in 5 Minuten in der Mikrowelle) selbst gekochtes Apfelmus, das nur leicht zermatscht ist und noch viele Stücke enthält, findet Anklang (wenn auch nicht immer).
Das Gute hierbei: Wenn der Kleine nicht mehr mag, darf ich es aufessen :-D

Als Ausgleich verlangt das Kind immer noch beständig nach seiner Milchflasche - manchmal schon wenige Minuten nach der Mahlzeit, bei der er aufstoßend den Löffel zur Seite schiebt und den Kopf schüttelt, wenn ich ihm mehr Essen anbiete oder es empört auf den Boden wirft, wenn ich der Meinung bin, noch ein Löffelchen könnte es vielleicht schon noch sein. Aber das Käuzchen wächst und gedeiht, ist putzmunter und aktiv - die Milch (wir füttern immer noch Pre-Nahrung) scheint ihm zu genügen. Das zeigt mir wieder, dass Milch für Kinder im ersten Lebensjahr meist die wichtigste Nahrungsquelle ist und es einen Grund dafür gibt, dass es "Beikost" und nicht "Anstattkost" heißt.

Ich kann euch nur raten, euch nicht verrückt machen zu lassen, wenn eure Kinder schlechte Esser sind oder die Beikost nicht so annehmen, wie sie "sollten". Die kleinen wissen selbst am besten, was ihr Körper braucht und holen es sich.

Schaut auch bei Hanna vorbei und erfahrt, wie der Beikoststart bei ihrem Sohn Moritz lief!


1 Kommentar:

  1. Ach ja, da sind sie sich irgendwie ähnlich unsere Milchpiraten.

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